Rund 30 Personen erkunden auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Jasmina Hostert und der SPD Sindelfingen die Stadtgeschichte Sindelfingens.
„Heute geht es nicht um Rentenpolitik oder Haushaltsdebatten, heute widmen wir uns ganz der lokalen Geschichte und Kunst.“ Mit diesen Worten begrüßte Jasmina Hostert, Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Böblingen, am Montagabend (27. Juli) die rund 30 Gäste am Klostersee in Sindelfingen. Dann übergab sie das Redezepter bereits wieder an den Sindelfinger Stadthistoriker Klaus Philippscheck, der einen 90-minütigen Spaziergang durch die Sindelfinger Innenstadt vorbereitet hatte. Unterstützt wurde er dabei von Brigitta Hahn und Horst Weber, wie Philippscheck Mitglieder der Sindelfinger Initiative „Kultur am Stift“ und Initiatoren der Poetischen Orte. Gemeinsam führten sie die Anwesenden zu fünf Orten der Sindelfinger Stadtgeschichte, deren kulturhistorische Bedeutung durch die Werke hiesiger Künstler erkennbar geworden ist.
Die Tour startete an der Klosterseewiese, wo früher Selbstmörder, Verbrecher und Verstoßene – wie Philippscheck anmerkte – „nicht begraben, sondern vergraben“ wurden und führte weiter zum ehemaligen Kreuzgang an der Martinskirche, in dem die Chorherren und württembergischer Adel ihre letzte Ruhe fanden. Der weitere Weg führte in einen alten, klassischen Bauerngarten mitten in der Innenstadt, in dem das Kunstwerk auf die wichtige Rolle der Frauen in der Pflege dieser Gärten aufmerksam macht. Vorbei an der ehemaligen Stadtmauer, einem weiteren Zwischenstopp, führte der Spaziergang zum Schluss in ein ehemaliges Handwerkereck der Altstadt, in dem heute eine Holzskulptur davon erzählt, wie weit verbreitet die Anwendung magischer Praktiken und Aberglaube in Sindelfingen noch bis in die Neuzeit waren. Mit Fritz Mühlenbeck und Joachim Kupke hatte Philippscheck, der im vergangenen Dezember für sein jahrzehntelanges Engagement für die Sindelfinger Stadtgeschichte und -identität mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden ist, auch zwei der beteiligten Künstler eingeladen, die ihre beiden Werke, das Glaskunstwerk am Klostersee und die Grabinstallation an der Martinskirche, selbst vorstellen konnten.
Klaus Philippscheck wies darauf hin, dass es der Gruppe „Kultur am Stift“ immer wichtig war, „über Geschichte Identität in unserer Stadt zu schaffen“ und dies in der Zusammenarbeit mit Künstlern zu realisieren. Die Hoffnung sei dabei, im Zusammenspiel von Wissen, Nachdenklichkeit und Emotion eine Kraft zu entwickeln, die eine solche Identität bewirken könne.
„Ich bedanke mich bei allen Beteiligten und insbesondere Klaus Philippscheck für diesen lehrreichen wie abwechslungsreichen Spaziergang“, sagte Jasmina Hostert, „Es fällt schnell aus dem Blick, welche interessanten und schönen Orte wir hier im Landkreis direkt vor unserer Haustür entdecken können.“ Die Bundestagsabgeordnete sammelt bereits weitere Ideen für thematische Spaziergänge in ihrem Wahlkreis.
